Ich habe nicht « nein » gesagt

Ich hatte viel zu erzählen

Ich wollte dich im Park
treffen.

Ich habe nicht « nein » gesagt,
als du mich gefragt hast,
bei dir zu Hause zu kommen.

Ich bin gekommen.

Ich habe mich gefreut, wenn
du mich umarmt hast.

Ich habe nicht « nein » gesagt,
als du meine Lippen geküsst hast.

Nach ein paar Küsse hätte ich
lieber eine Pause gemacht.

Ich wollte mit dir reden.

Ich habe nicht « nein » gesagt,
als deine Händen meinen
Körper angefasst haben.

Ich habe « warte » gesagt.

Ich wollte das wir Saft
trinken.

Du hast dich einen Glas
eingeschenkt.

Ich habe nicht nachgefragt.

Ich wollte mich hinsetzen.

Ich habe nicht « nein » gesagt,
als du mich in deinem Zimmer
gebeten hast.

Du hast dich auf deinem Bett
hingelegt.

Ich habe mich hingesetzt.

Ich wollte mit dir reden.

Ich habe nicht « nein » gesagt,
als du mich ununterbrochen geküsst hast.

Ich konnte nicht reden.

Ich habe « langsam » gesagt.

Du hast weiter gemacht.

Du hast mich gefragt, ob ich Sex mag.

« Ja », habe ich geantwortet,
« wenn es schön ist ».

Ich wollte weiter reden, dich
von mir erzählen, damit du
weisst, damit du von dir
erzählst, über unsere Erwartungen.

Du sei « anders als die Anderen »
und « in der Revolution
verliebt ».

Du hast nicht weiter geredet
aber weiter gemacht.

Ich habe nicht « nein » gesagt.

Du hast gesagt « tue dies und das ».

Ich habe nicht « nein » gesagt.

Ich habe « warum » gefragt und
es nicht gemacht.

Ich habe gesagt « ich möchte
nicht, dass deine Hand fest
auf meinen Nacken
meine Bewegungen bestimmt ».

Du hast « warum » gefragt.

Ich habe gesagt « es kommt
nicht in Frage ».

Ich habe dir gezeigt, wie es
anders und eventuell besser
sein könnte.

Du hast nicht gehört.

Ich habe dich bei deinem
Sexmonolog nur zugeschaut und
tun lassen.

Nie wieder so was.

Meine Stimme hast du
überhört.

Meine Wörter hast du nicht
wahrgenommen.

Meine Existenz hast du
abgeblendet.

Meine Emotionen hast du
verneint.

Meine Gedanken sind dir fremd
geblieben.

Meinem Körper hast du g
enossen.

Ich bin traurig,
angeschlagen, gedemütigt,
missachtet nach Hause
gefahren.

Ich war ständig zerrissen
gewesen.

Ein Teil von mir wollte
deiner Nähe – aber nicht
diese Nähe.

Ein anderer Teil von mir hat
verwundert zugeschaut,
was vor sich ging und
wusste nicht wie rauskommen.

Du bist nicht « anders als die
Anderen », sondern ein
erfahrungsloser eingebildeter
Durchschnittsmännlein.

Du gibst dich als
profeminist, solidarisch mit
queer-feministischen Kämpfen
an und bist als cis heterosexueller
Mann in einer traditionnellen Skript
gefangen. Du kannst nicht wissen,
was für mich gut ist.

Du hast keine Ahnung von
Konzenz und von
gleichgestellten Sex.

Von mir hättest du viel
lernen können. Pech.

Seitdem vermeidest du,
mich zu begegnen.

Seitdem verweigerst du,
mit mir darüber zu sprechen.

Das ist, was dich schuldig macht.

Leb wohl mit deine Schulden.